Filmtipp: Frau Winkler verlässt das Haus
Ein Film von Doris Dörrie
Wir schreiben das Jahr 2030. Frau Winkler ist 80, lebt allein und hat sich über die Jahre ziemlich gut darin eingerichtet, die Welt auf Abstand zu halten. Früher stand sie als Schauspielerin selbst auf der Bühne, heute spielt sich ihr Leben vor allem in den eigenen vier Wänden ab. Ihre Tochter Emi kümmert sich seit Jahren um sie – bis sie ein neues Theaterengagement annimmt und wieder mehr Raum für ihr eigenes Leben braucht.
Als Frau Winkler nach einem Unfall plötzlich intensive Unterstützung benötigt, muss eine Lösung gefunden werden.
Diese Lösung heißt Pawlowitsch: ein Pflegeroboter, den die Krankenkasse zur Verfügung stellt. Frau Winkler empfindet seine Anwesenheit zunächst als Zumutung und wehrt sich gegen die maschinelle Fürsorge. Doch Pawlowitsch kann weit mehr, als Medikamente reichen und Vitalwerte erfassen. Er kennt sich mit Literatur und Theater aus, rezitiert Tschechow – und wird für Frau Winkler nach und nach zu einem überraschenden Gegenüber. Zwischen Mensch und Maschine entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung, die ihr neues Interesse am Leben schenkt.
Doris Dörries warmherzige Tragikomödie erzählt von Themen, die längst nicht mehr nur Zukunftsmusik sind: von Einsamkeit und Pflege im Alter, von der Verantwortung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern und von der Frage, was Fürsorge eigentlich ausmacht. Gleichzeitig berührt der Film die Grenzen einer Welt, in der immer mehr Entscheidungen nach Effizienz, Daten und technischen Möglichkeiten getroffen werden. Wo beginnt echte Nähe? Und kann eine Maschine etwas geben, das wir bisher für zutiefst menschlich gehalten haben?
Vielleicht braucht es manchmal eine unerwartete Begegnung, damit wir uns wieder dem Leben öffnen.
Läuft ab dem 1. Oktober 2026 in den deutschen Kinos.